Zum Hauptinhalt springen Skip to page footer

Seltenes Fundstück aus Geweih

Zylinderförmiges Objekt aus Knochen und Eisen mit Einkerbung zum Einlegen einer Bogensehne, so genannte Nuss einer Armbrust

Armbrustnuss vom Marienhof, 14. Jahrhundert (Foto: S. Friedrich, ASM)

Ein Mann hält eine Armbrust in einer Hand, in deren Schaft eine Armbrustnuss eingelegt ist. In der anderen Hand hält er ein originales Fundstück aus dem 16. Jahrhundert neben die Armbrust.

Nuss aus dem 16. Jahrhundert (oben) im Vergleich mit einer vollständigen Armbrust (Foto: Bullenwächter, Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg)

Bei diesem Objekt mit gerade einmal vier Zentimetern Durchmesser handelt es sich um ein wichtiges Konstruktionselement einer Armbrust, das in einer Schicht des Stadtgrabens aus dem 14. Jahrhundert am Marienhof gefunden wurde.

So genannte Armbrustnüsse wurden im Mittelalter zumeist aus Geweih, später aber auch aus Metall gefertigt. Die Nuss wurde im Nussbrunnen, einer Aussparung im Schaft der Schusswaffe, frei gelagert und lediglich durch den Nussfaden, einen gewachsten Leinenzwirn, vor dem Herausfallen gesichert. Die Sehne des Bogens wurde an der Einkerbung der Nuss (Spannraste) gespannt, die in diesem Bereich mit Eisen verstärkt war. Betätigte der Schütze nun den Drücker beziehungsweise den Abzug, so wurde die Nuss gelöst und die Sehne schnellte mitsamt Bolzen nach vorne und gab diesen frei.

Nicht weit entfernt vom Fundort liegt das Innere Schwabinger Tor, das – auch als Wilbrechtsturm bekannt – Teil der ersten Münchener Stadtbefestigung war. Seit 1325 wurde es als städtische Waffenkammer genutzt, in der unter anderem Armbrüste gelagert wurden. Die Armbrust war vor allem bei Belagerungen eine geschätzte Waffe, da sie ohne großen Kraftaufwand gespannt gehalten und so mit ihr auch zielgerichtet nach unten geschossen werden konnte. (Melanie Marx)

Zu sehen ist das Fundobjekt – in einer multimedialen Vitrine präsentiert – übrigens im Infocenter der Deutschen Bahn zur Zweiten Stammstrecke am Marienhof.