Aktuelles – Archäologie und Geschichte in München

Fund des Monats

Was man mit Namen verbindet

Wer heute Bürgerbräu München hört denkt fast zwangsläufig an das gescheiterte Hitlerattentat durch Johann Elser im Bürgerbräukeller am 8. November 1939. Manch einer verbindet den Namen vielleicht noch mit politischen Großveranstaltungen Anfang des 20. Jahrhunderts.

Nur wenige werden aber wissen, dass das Bürgerliche Brauhaus München auf zwei Brauereien in der Burgstraße 16 zurückgeht, die Anfang des 18. Jahrhunderts vereinigt wurden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden neue Gebäude in Haidhausen bezogen. Den Namen Zum Bürgerlichen Bräuhaus erhielt der Betrieb ab 1880 mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Diese fusionierte 1921 mit der Aktienbrauerei zum Löwenbräu. Die entstandene Großbrauerei betrieb vier Großschankstätten, darunter der  im politischen Gedächtnis verankerte Bürgerbräukeller in Haidhausen.

Die vorliegende Bierflasche sowie die beiden Porzellandeckel von Bügelverschlüssen stammen vom Marienhof und zeigen, dass Anfang des 20. Jahrhunderts dieses Bier auch außerhalb der Schankstätten konsumiert wurde. (Eleonore Wintergerst)

Zu unseren vergangenen Funden des Monats gelangen Sie hier!

Vortragsreihe zum Projekt "Archäologie München"

März bis Mai 2023

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bietet in Kooperation mit der Archäologischen Staatssammlung und der Münchner Volkshochschule (MVHS) im März, April und Mai 2023 eine kostenfreie Vortragreihe an, zu der wir Sie herzlich einladen. Die Reihe findet statt im Rahmen des Projekts Archäologie München

Bitte beachten Sie, dass zur Teilnahme eine Anmeldung zwingend nötig und diese NUR über die Website der Münchner Volkshochschule möglich ist. Beim Anklicken der Links gelangen Sie direkt zur Anmeldung.

Beginn: jeweils 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr)
Ort: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Säulenhalle (Hofgraben 4, 80539 München)
Dauer: jeweils ca. 45 Minuten

Nähere Informationen dazu finden Sie auf unserer Hauptseite oder beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

 

 

Maria Adelheid Teresia von Perusa

Für helle Aufregung sorgte Reichsgräfin Maria Adelheid Teresia von Perusa, wie sie mit weltlichem Namen hieß, als sie sich 1736 ihrem Vater widersetzte und  gegen dessen Willen ins Püttrichkloster eintrat. Die Streitigkeiten wurden in den höchsten kirchlichen und kurfürstlichen Kreisen ausgetragen.

Der Aufsatz von Elke Bujok, Gegen den Willen des Vaters Nonne – Maria Teresia Antonia von Perusa im Münchner Püttrichkloster, ist im Dezember 2022 im Oberbayerischen Archiv, dem Jahrbuch des Historischen Vereins von Oberbayern im Stadtarchiv München, Band 146, S. 34–55, erschienen.

Hier geht es direkt zum Download!

Quacksalbereien

Hier geht's zu einem in den "Denkmalpflege Informationen" erschienenen Artikel über die Grabung Weinstraße 7, "Eine Kneipe mit schlechter Medizin" (S. 36–37). In einem Schacht fanden sich erstaunliche Heilmittel.

München vor 1158

Dass das erstmals im Jahr 1158 erwähnte München nicht aus dem Nichts heraus entstand, belegen neue Grabungen in der Hochbrückenstraße. Hier geht's direkt zum Bericht des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege!

Die Nonnengrüfte des Ridler- und Püttrichklosters

Am heutigen Max-Joseph-Platz befand sich seit dem 13. Jahrhundert bis zur Säkularisation ein weithin beachtetes Zentrum der Franziskaner, dem nicht zuletzt Wilhelm von Ockham angehörte. Es handelte sich um ein Kloster der Brüder mit umgebendem Friedhof und je ein Kloster für die Püttrich- und Ridlerschwestern. Das Kloster der Brüder wich 1802 dem Nationaltheater, das Ridlerkloster dem Königsbau der Residenz, und an der Stelle des Püttrichklosters steht heute das Spatenhaus. Bei Ausgrabungen in den 1980er Jahren kamen die Grüfte der Nonnen unter der Franziskanerkirche zutage.

Die Klöster, Grüfte und Bestattungen wurden rekonstruiert und anhand von Archivalien erschlossen, die Grabbeigaben bearbeitet und katalogisiert. Die Publikation von Elke Bujok und Tilman Mittelstraß erscheint 2023.

Archäologisches Schaufenster: Funde vom Marienhof

Archäologie München im Stadtmuseum

Münchner Stadtmuseum, Sankt-Jakobs-Platz 1, Foyer 2. Stock

seit 29. November 2017

Am Beispiel des Marienhofes und seiner vielfältigen Geschichte werden im Münchner Stadtmuseum Aspekte aus dem Forschungsprojekt Archäologie München präsentiert. Keramik-, Glas- und Lederfunde erzählen dabei vom Alltag, Tierknochen von der Beziehung Mensch-Tier, Pflanzenreste von der Ernährung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Münchner. Auch die jüngste Vergangenheit wird am Marienhof präsent, zeugt doch das verformte Hotelgeschirr vom Café Deistler von den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg.

Eine Kooperation der Archäologischen Staatssammlung München und des Münchner Stadtmuseums.

3 aus 45.000

Präsentation im Infozentrum der Deutschen Bahn zur Stammstrecke am Marienhof

seit 5. April 2017 bis Ende der Bauarbeiten

Wir präsentieren unter anderem einen Topf mit Obst-Mus, der in einer Latrine lag und im Rahmen der Grabungen am Marienhof gefunden wurde. Lesen Sie hier die fiktive Geschichte, wie es dazu gekommen sein könnte:


Die ganze Geschichte zu dem Mus-Topf vom Marienhof

Siedlungsbefunde aus München-Moosach

Melanie Marx, München-Moosach. Eine früh- bis hochmittelalterliche Siedlung vor der Stadtwerdung. Abhandlungen und Bestandskataloge digital 2. Archäologische Staatssammlung München. München 2020.

Mit der Neuerscheinung "München-Moosach" wird nach Band 1 zum frühmittelalterlichen Gräberfeld von München-Giesing ein weiteres Fenster in die Frühzeit Münchens vor der Stadtwerdung geöffnet. Die Arbeitsgemeinschaft Archäologie München ermöglicht mit diesen und weiteren geplanten Veröffentlichungen zukünftig einem breiten Publikum einen einfachen Zugang zur Archäologie in der Landeshauptstadt.

Die Ausgrabungen im Stadtteil Moosach, der erst 1913 eingemeindet wurde, stellen eine Seltenheit dar, da sich mittelalterliche Siedlungskerne durch die ständige Bebauung und Nachverdichtung in München kaum erhalten haben.  Die bereits 815 erstmals erwähnte Moosacher Kirche markiert einen Wendepunkt in der Siedlungsdynamik am Übergang der von Mobilität und Migration geprägten Merowingerzeit hin zur Karolingerzeit: Die Genese eines Ortskernes  und somit letztendlich die "Steinwerdung" des heutigen Ortskernes;

Ergraben wurden die bearbeiteten Siedlungsfunde in den Jahren 2011 und 2012 von der Firma SingulArch, die wissenschaftliche Auswertung erfolgte schließlich im Rahmen des Projekts Archäologie München. Die wichtigsten Befunde sind neben diversen Hausgrundrissen, Gruben und Öfen vor allem die zum Teil holzverschalten früh- bis hochmittelalterlichen Brunnen. Die Dendrologie erlaubt hier teils präzise Aussagen zur Datierung und hilft, die bisher nur schwer zu fassende Keramik am Beginn der Karolinger- und Ottonenzeit präziser einzuordnen.

Zusammen mit Erkenntnissen aus der Dendrologie (Franz Herzig, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) und jenen aus der Anthropologie (Bernd Trautmann, Staatsammlung für Anthropologie und Paläoanatomie) verdichtet sich das Wissen um die Siedlungskonstanz von mehr als 1.200 Jahren in München-Moosach.

Den kostenlosen Download (pdf) der Bayerischen Staatsbibliothek finden Sie hier!

Das Gräberfeld von München-Giesing

Helga Furtmayr, München-Giesing. Ein frühmittelalterliches Gräberfeld vor der Stadt. Abhandlungen und Bestandskataloge digital 1. Archäologische Staatssammlung München. München 2017.

Mit der Neuerscheinung „München-Giesing“ wird wahrhaft historisches Material publiziert. Dieser erste Band der Reihe „Abhandlungen und Bestandskataloge der Archäologischen Staatssammlung Digital“ ist gleichzeitig der Auftakt für weitere Online-Publikationen. Die Arbeitsgemeinschaft Archäologie München ermöglicht mit dieser und anderen Veröffentlichungen zukünftig einem breiten Publikum einen einfachen Zugang zur Archäologie in der Landeshauptstadt.

Entdeckt wurden die frühmittelalterlichen Grabfunde von Giesing schon 1914, beim Bau der Icho-Schule. Ausgräber war der damalige Assistent der Staatssammlung, Gero von Merhart (1886–1959), der später als Professor den ersten deutschen Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte in Marburg innehaben sollte.

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden die Giesinger Fundstücke bereits 1927 in einer Sonderausstellung der Staatssammlung, „Aus Münchens Vorzeit“, die in der Alten Akademie an der Neuhauser Straße mit großem Erfolg präsentiert wurde.  Wissenschaftlich ausgewertet hat sie jetzt schließlich Helga Furtmayr im Rahmen einer Münchner Dissertation, deren wichtigste Erkenntnisse hiermit vorgelegt werden.

Den kostenlosen Download (pdf) der Bayerischen Staatsbibliothek finden Sie hier!

Holz im mittelalterlichen München

Holz war ein wichtiger Rohstoff für den mittelalterlichen Menschen. Im Rahmen des Projektes Archäologie München konnten wir den Holzspezialisten Bernhard Muigg für die Bearbeitung der Holzfunde vom Marienhof gewinnen. Der im "Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege, Band 58 (2017)" erschienene Beitrag von Bernhard Muigg und Franz Herzig steht ab sofort über unsere Homepage kostenfrei zum Download bereit (pdf).